Magazin
23. Juni 2016, 
Katharina Raab

REPUTATIONSPOLSTER?

Wissenssoirée In der DNA: Unternehmensgeschichte ist mit Blick auf Nachhaltigkeit kein Reputationspolster

Was hat die Unternehmensgeschichte mit Nachhaltigkeit zu tun? Spätestens seit der Wissenssoirée mit Prof. Markus Beckmann, Inhaber des Lehrstuhls für Corporate Sustainability Management an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen- Nürnberg (FAU), zu dieser Frage ist klar: Die Tradition eines Unternehmens hat großen Einfluss auf die Versprechen die in der Gegenwart gegeben und für die Zukunft definiert werden. „Unternehmensgeschichte hinterfragt diese Versprechen und nimmt ein Unternehmen in die Pflicht", betonte Beckmann. Und erteilt allzu ungestümem Profitdenken sofort eine Absage: „Wertschöpfung ist keine Blackbox, sondern die Verpflichtung zu einer Win-Win-Situation." Geschichte sei dabei kein „Reputationspolster". Prof. Dr. Beckmann unterstrich: Wer schwarze Zahlen schreiben will, muss sich auch die Sinnfrage stellen und Alleinstellungsmerkmale finden. Wo werden wir gebraucht? Für wen schaffe ich Wert? Wo machen wir wirklich einen Unterschied? Und er muss Vertrauen herstellen, schlicht glaubwürdig sein. „Hier genau kann Geschichte helfen. Wer Glaubwürdigkeit ausstrahlen will, muss wissen, wer er ist und seine Wurzeln freilegen."

Die Geschichte eines Unternehmens bietet beste und verpflichtende Anknüpfungspunkte für Corporate Social Responsibility (CSR) – falsch ist diese These nicht, zeigte Prof. Dr. Markus Beckmann an diesem Abend. Im Gegenteil: Wer seine Unternehmensgeschichte in die Selbstverpflichtung zu gesellschaftlicher, sozialer und ökologischer Verantwortung integriert, ist auf einem guten Weg.

Es war eine der aufregendsten Wissenssoiréen, die bislang im MCS.1 stattgefunden hat. Der Begriff Nachhaltigkeit erwies sich dabei einmal mehr als Funke, der die Diskussion um Ethik und Verantwortung entflammte. Nur: Was genau ist Nachhaltigkeit? Und hat Unternehmensgeschichte im Dreiklang Umwelt, Soziales, Fairness überhaupt einen Sinn? Für Dr. Hans-Diether Dörfler, Leiter History Marketing bei Birke und Partner, steht dies außer Zweifel. Die langjährige Projektarbeit zeige, dass der kompromisslose Umgang mit der eigenen Genese für ein Unternehmen alternativlos ist. Formelhaft dürfe man mit den gewonnenen Erkenntnissen aber nicht umgehen: „Man kann nicht einfach sagen, wir lernen aus der Geschichte, so Dr. Dörfler, „meist lassen sich keine unmittelbaren Handlungsanweisungen ableiten." Wohl aber zeige sich mit dem Blick auf jahrzehntelanges Handeln, „ob ein Unternehmen sein Verhalten grundsätzlich korrigieren kann."

Turbulent wurde es bei der Diskussion um die „Werte", denen sich Unternehmen und Personen verpflichtet sehen. „Wer sagt, dass Werte immer gut sind?", fragte Prof. Beckmann. Auch hier könne der Blick in die Herkunft helfen zu sehen, ob Verantwortung gelebt und weitervererbt wurde oder sich der Wertekosmos nur den jeweiligen gesellschaftlichen Kontexten anpasst. Für Moderator und Kommunikationsexperte Ralf Birke war der Frühabend im vollbesetzten MCS.1 zum einen „die Bestätigung, dass Unternehmensgeschichte weit mehr kann, als Jubiläen zu kalendieren", zum anderen der Startschuss, mit History Marketing auch im Bereich der Nachhaltigkeit zu unterstützen.